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Meine Artikel für Dich.

Zu wenig Psychotherapieplätze in Deutschland und wie Patientencoaching Lücken schließen kann

20 Wochen Warten auf die Psychotherapie

 
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Versorgungsmangel in Deutschland

Auf der Website des Hamburger Nachrichtenmagazins „DER SPIEGEL“ erschien Mitte April der Artikel 2018 „Das Warten hat kein Ende“. Der Beitrag nimmt die im April 2017 grundlegend reformierte psychotherapeutische Versorgung zum Anlass für einen Überblick: 20 Wochen (!) müssen Psychotherapie-Patienten demnach durchschnittlich warten, ehe sie einen Behandlungsplatz bekommen. Dabei sollte nach der Reform alles besser werden: Lange Wartezeiten sollten endlich entfallen, psychische Kranke endlich schneller versorgt werden.

Die Bundespsychotherapeutenkammer (BPtK) befragte jetzt ca. 9.400 Psychotherapeuten mit Kassenzulassung und zeigte:  "Vom ersten Anruf bis zum ersten persönlichen Gespräch vergehen nur noch 5,7 Wochen", sagt der Präsident der BPtK, Dietrich Munz.“ Das ist in erster Linie der seit Reformbeginn verpflichtenden Sprechstunde zu verdanken.

Die Sache hat allerdings einen Haken: Mit dem ersten Gespräch ist nur das Kennenlernen erledigt. Ehe der Patient behandelt wird, vergeht viel mehr Zeit. Satte 20 Wochen vergehen vom ersten Anruf eines Patienten in der Praxis bis zum Start seiner Therapie.

Ursachen für die Misere gibt es viele: Folgt man den Krankenkassen, sind die Therapeuten schuld – viele von ihnen arbeiteten nur Teilzeit, belegten aber einen kompletten Kassensitz. Deswegen würde die Bedarfsplanung nicht stimmen.

Die Therapeuten dagegen hatten zur Umsetzung der Reform eine einfache Wahl: Die obligatorische Sprechstunde zu Lasten der Behandlungszeiten umsetzen, eine Assistenz einstellen oder buchen (was bei kaum einem Psychotherapeuten, der seine Praxis als Einzelkämpfer betreibt, rentabel sein dürfte) oder anderweitig erfinderisch werden…

 

Ergebnis der Sprechstunde: Therapiebedürftig, trotzdem kein freier Therapieplatz und viel Aufwand für die Pyschotherapeuten

Oft sind die geforderten Sprechstunden denn auch Makulatur: Wenn der Psychotherapeut seinen Patienten anschließend nämlich darauf aufmerksam machen muss, dass er leider keine Termine frei hat und an Kollegen in der Nähe verweisen muss. Wenn es in der Nähe Therapeuten mit freien Kapazitäten gibt…

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Ein „niedergelassener Therapeut in einer westdeutschen Großstadt“ schrieb dazu in den Kommentaren der SPIEGEL-Webseite: „mache ich die Erfahrung, dass ich vielleicht in der Woche 2 Neuanfragen habe. Wenn ich die Interessenten auf meiner Warteliste nach ca. 3-5 Wochen zurückrufe, sind viele schon versorgt.“ Zum Glück für diese Patienten! Doch für die Therapeuten natürlich ein erheblicher Büroaufwand. Schließlich müssen sie die Sprechstunde abhalten, ihre Interessentenliste abtelefonieren und schließlich die Daten korrekt archivieren.

 

Abgrenzung von Patientencoaching und Psychotherapie: Was für wen?

Patient oder Klient – das ist hier die Frage!

Der Nutzer macht gleichzeitig auf ein weiteres Problem aufmerksam: „Überdies mache ich die Erfahrung, dass fast 80-90 % meiner Patienten auf Empfehlung kommen. Ob dabei jeder Freund oder Bekannte von Ex-Patienten immer eine psychische Erkrankung im Sinne des Krankheitskataloges aufweist oder ob es nicht in vielen Fällen um die Bewältigung von normalen Lebenskrisen, Trauerfällen, Trennungssituationen, Paarkonflikten, Problemen in der Eltern-Kind-Beziehung etc. geht, ist eine Frage, die man auch innerhalb der Berufsverbände einmal differenziert erörtern sollte.“

Dem kann ich als Coach nur ausdrücklich zustimmen! Und bevor die Berufsverbände sich dieser Frage annehmen nur jedem Therapeuten nahelegen, für sich abzuwägen, ob nicht manch einem Patienten ein professioneller Coach besser täte, als eine Psychotherapie.

Coaching ist als bezahlte Dienstleistung aus vielen Bereichen kaum mehr wegzudenken: Vom Bewerber- über das Karriere- bis hin zum Stress- und Konfliktcoaching helfen Coaches als professionelle Gesprächs- und Prozessbegleiter Menschen in beruflichen Veränderungs- und/oder Problemsituationen.

 

Patientencoaching als überbrückende, begleitende oder alleinige Unterstützung bei Problemen im Zusammenhang mit chronischen und/oder schweren Krankheiten

Wie zahlreiche Erfahrungen u.a. aus unseren Nachbarländern zeigen, ist Coaching auch bei gesundheitlichen Problemen hilfreich:

  • Professionelles Patientencoaching kann u.a. dabei helfen, eine schwere und/oder chronische Erkrankung wie Brustkrebs, Darmkrebs oder auch Multiple Sklerose (MS) zu verarbeiten.
  • Patientencoaching leistet Hilfe zur Selbsthilfe im Alltag als Patient, der nicht nur ungewohnt ist, sondern oft alle Lebensbereiche umfasst und in Frage stellt (siehe Ruths Geschichte).
  • Und Patientencoaching hilft, Klienten von Ängsten und Sorgen zu entlasten, hinderliche Denk- und Handlungsmuster zu hinterfragen und durch förderliche zu ersetzen.

Dabei sind professionelle Patientencoaches als neutrale Begleiter oft rasch verfügbar. Der Nachteil der privaten Finanzierung wird für die meisten Klienten dadurch aufgewogen, dass weder Kranken-, noch Renten- oder Lebensversicherung vom Coachinganlass erfahren.

Wichtig für Klienten, die sich für Patientencoaching interessieren: Patientencoaches, die solide arbeiten, grenzen sich von den Einsatzbereichen anderer Profis im medizinisch-therapeutischen Umfeld klar ab. Sie ersetzen keine Therapie, begleiten diese jedoch wirksam. Patientencoaching kann somit eine Therapie unterstützen, die Wartezeit bis zu einem freien Psychotherapieplatz überbrücken helfen oder als alleinige Maßnahme bei Problemen im Zusammenhang mit chronischen und/oder schweren Krankheiten gebucht werden.

 

Wo verläuft die Grenze zwischen Psychotherapie und Coaching?

Wichtig hierbei, meint der erwähnte Kommentator, ist das Bewusstsein bei allen Beteiligten „Wo verläuft die Grenze zwischen Psychotherapie und Coaching? Therapeutische Unterstützung kann in jeder schwierigen Lebenslage hilfreich sein - das ist mittlerweile auch in der Mitte der Gesellschaft angekommen.“

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Vollkommen korrekt: Psychotherapie kann dies leisten, aber muss sie es auch immer und muss sie es ausschließlich? Gibt es nicht unzählige andere Angebote, an die Klienten gezielt verwiesen werden könnten, dürften und sollten? Denn genau das sind sie ja oft: Klienten statt Patienten.

Denn schließlich bedeutet Patient „von einem Arzt, einer Ärztin oder einem Angehörigen anderer Heilberufe behandelte oder betreute Person (aus der Sicht dessen, der sie [ärztlich] behandelt oder betreut oder dessen, der diese Perspektive einnimmt)“. So mag sich zwar mancher Mensch leidend fühlen, weil Scheidung, Jobverlust und Krebsdiagnose sehr belastend sind – ob er aufgrund dieser Probleme jedoch schon als krank gilt, ist fraglich. Auch ob unser Versorgungssystem reguläre Lebenskrisen als Kassenleistung anbieten sollte, wäre zu hinterfragen.

Der Nutzer merkt abschließend (selbst?)kritisch an: „Welcher Therapeut traut sich schon nach einem ersten Sprechstundentermin jemanden zu sagen: ‚Ich denke, Ihr Leid gehört in das normale Spektrum des Leides, das man in diesem Leben wohl akzeptieren muss... Eine Psychotherapie ist für Sie m.E. nicht indiziert.‘“

Dieser Frage kann ich als Coach natürlich nur möglichst viele selbstreflektierte Psychotherapeuten wünschen! Mögen immer mehr von ihnen sich rasch zu handeln trauen:

Für Menschen, die echte Patienten sind und einer Therapie bedürfen und für Menschen, die Klienten sind und denen mit einem Life Coaching, Karrierecoaching oder Patientencoaching genauso gut geholfen ist. Und manchmal sogar besser.

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Die Akademie für Patientencoaching bietet derzeit Coachingprogramme für Frauen mit Brustkrebs und für Frauen in Trauer an. Wenn Du meine Begleitung wünschst, ruf mich einfach an (0151 - 56 000 468) oder schreib mir eine E-Mail - ich bin gern für Dich da.


Quellen:

http://www.spiegel.de/gesundheit/psychologie/psychotherapie-reform-das-warten-hat-kein-ende-a-1202312.html

https://www.duden.de/rechtschreibung/Patient